Remote Work und hybride Arbeitsmodelle

Lisa Brandstetter
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12. Februar 2021 Lesezeit 6 Minuten
Wenn das Wohnzimmer zum Büro wird … Für viele Arbeitnehmer wurde dieses Szenario 2020 wegen Corona plötzlich zum neuen Alltag. Wir zeigen Ihnen, zu welchen Herausforderungen Remote Working führen kann und wie hybride Arbeitsmodelle, die Stärken und Schwächen von mobilem und bürobasiertem Arbeiten berücksichtigen.

Inhalt

    Für so manchen ist arbeiten im Home Office nach wie vor der Fall – und nach so vielen Monaten hat man sich im wahrsten Sinne des Wortes häuslich eingerichtet. Anfängliche Stolpersteine wie mangelnde Technik und unzureichende Ausstattung sind weitestgehend ausgemerzt. Sowohl für Unternehmen als auch für Mitarbeiter* stellt sich nun die Frage: Wie geht’s weiter, wenn es weitergeht? Sollen und wollen alle so weitermachen wie vor Covid-19?

    Viele Arbeitnehmerinnen möchten gar nicht mehr zurück ins Büro – zumindest nicht jeden Tag. Und so mancher Arbeitgeber fragt sich, ob Mitarbeiter, die zumindest teilweise von zu Hause aus arbeiten, nicht auch von Vorteil sein können. Homeoffice: ein viel diskutiertes Thema mit zahlreichen Pros und Kontras – aber auch mit vielen Chancen für die Zukunft!

    Wir nehmen Sie mit auf eine Reise ins „Heim-Büro“ und beleuchten das Thema Remote Working etwas näher. Wo liegen seine Stärken? Wo zeigen sich Mängel? Und welche Schlüsse lassen sich für die Zukunft des Recruitings ziehen?

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    Was ist Remote Work?

    Genau genommen ist Remote Working kein Phänomen der Corona-Pandemie. Bereits vor Covid-19 war es ein Thema, das in der Berufswelt immer mehr in den Vordergrund trat. Dabei beschränkt sich das Arbeiten außerhalb des Firmengebäudes auch nicht nur aufs Homeoffice am Küchentisch.

    Wo Remote Work stattfindet:

    • im eigenen Zuhause
    • im Café, in Bibliotheken und an anderen öffentlichen Orten
    • in Co-Working-Spaces
    • in Hotelzimmern, Zügen, anderen Unternehmensgebäuden (bei Außendienstmitarbeitern, auf Auslandsreisen etc.)
    Remote Work bedeutet ein Arbeiten außerhalb des Firmengebäudes (zB im eigenen Zuhause, im Café, in Co-Working-Spaces, etc.).

    Es gibt sogar bereits Unternehmen, die komplett „remote“ arbeiten. Das heißt, sie haben keine klassische Firmenzentrale im herkömmlichen Sinn mehr. Der Austausch findet rein über Videokonferenzen und andere Remote-Working-Tools statt.

    Grundsätzlich ist Remote Working also etwas, das Menschen durchaus freiwillig und gerne tun. Die Crux an der derzeitigen „Homeoffice-Welle“ ist, dass sie sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer überraschend kam und mit unmittelbarem Zugzwang verbunden war.

    Digitalisierung und Remote Working

    Zwei Entwicklungen, die in Zukunft ohnehin gewachsen wären – aber durch die Pandemie wurden sie unfreiwillig beschleunigt. So fanden sich viele Mitarbeiterinnen wegen fehlender Ausstattung zu Hause in einer Zwickmühle. Und auch die Unternehmen gerieten durch die plötzliche Notwendigkeit von Videokonferenzen, VPN-Zugängen und Co. ins Trudeln.

    Dieser Zwang zum Homeoffice führte auf beiden Seiten in vielen Fällen zu unerwarteten, neuen Herausforderungen.

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    Die Herausforderungen von Remote Working

    Kommunikation

    Mal eben kurz ins Nachbarbüro spazieren und die Kollegin etwas fragen? Im Homeoffice leider Fehlanzeige! Kommunikation, die sonst einfach „nebenher“ passiert, wird zu Hause zur echten Challenge. Telefon- und Videokonferenzen ersetzen den Kontakt von Angesicht zu Angesicht oft nur unzureichend – und das nicht nur wegen technischer Schwierigkeiten.

    Isolation

    Die eingeschränkte Kommunikation führt nicht nur oft zu fachlichen Schwierigkeiten. Auch dass der soziale Kontakt zu den Kollegen und der Tratsch an der Kaffeemaschine fehlen, beeinträchtigt das Arbeiten. Dieser Effekt ist nicht nur ein Problem für die Mitarbeiter, sondern in weiterer Folge auch für die Unternehmen. Denn Einsamkeit wirkt sich negativ auf Motivation und Produktivität aus.

    Ablenkung

    Bereits vor der Pandemie war Homeoffice eine beliebte Möglichkeit, sich tageweise voll auf ein Projekt zu konzentrieren – ohne Ablenkung durch Kollegen oder den Büroalltag. Doch auch im Homeoffice gibt es Ablenkungen, von Kindern bis zur Hausarbeit.

    Besonders bei Remote Work im eigenen Zuhause sind Ablenkungen wie Hausarbeit oder Kinder eine Herausforderung.

    Grenzen

    Wer im Homeoffice arbeitet, hat oft das Gefühl, immer erreichbar sein zu müssen. Denn auch, wenn die Arbeit zu Ende ist, befindet man sich ja quasi noch am Arbeitsplatz. Diese fehlende räumliche Trennung zwischen Beruf- und Privatleben führt nicht nur zu Mehrstunden, sondern leider auch zu Überforderung.

    Fehlende Kontrolle

    Viele Unternehmen befürchten, dass sie im Homeoffice die „Kontrolle“ über ihre Mitarbeiter verlieren könnten. Obwohl Studien belegen, dass Arbeitnehmer im Homeoffice tendenziell sogar mehr arbeiten als im Büro, ist Remote Working für Arbeitgeber oft eine große Vertrauensfrage.

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    Die Vorteile von Remote Working

    Umfragen zeigen es bereits: Trotz aller Herausforderungen finden viele Arbeitnehmer Gefallen am Konzept „Remote Working“. Nach der Pandemie möchten viele zumindest tageweise am Homeoffice festhalten. Dieser Ansatz bietet nicht nur für die Mitarbeiter selbst, sondern auch für die Unternehmen zahlreiche Vorteile.

    Unabhängigkeit

    Die Corona-Situation hat uns das vielleicht überzeugendste Argument für Remote Working quasi auf dem Silbertablett geliefert. Und das ist so simpel wie bestechend: Durch Remote Work können Unternehmen auch dann weiterhin funktionieren, wenn die Arbeit am Firmensitz nicht mehr geleistet werden kann. Sei es durch einen simplen Wasserschaden – oder eine weltweite Pandemie.

    Gesteigerte Produktivität

    Studien zeigen, dass Mitarbeiter im Homeoffice oft fokussierter und produktiver arbeiten als im Büro.

    Verbesserte Work-Life-Balance

    Die Arbeitnehmer von heute wünschen sich mehr Flexibilität. Durch Remote Working haben sie die Möglichkeit, ihr Arbeits- und Privatleben freier zu gestalten. Besonders für Millennials ist das laut Studien oberste Priorität bei der Jobwahl. Und bis 2025 wird diese Zielgruppe 75 Prozent des Arbeitsmarktes ausmachen!

    Gesteigerte Mitarbeiterzufriedenheit

    Wer sein Leben freier und flexibler gestalten kann, ist zufriedener – das gilt privat wie im Beruf. Und zufriedenere Mitarbeiter sehen sich nicht nur seltener nach einem anderen Job um. Sie sind laut Studien auch motivierter und produktiver!

    Mitarbeiter, die ihr Arbeits- und Privatleben frei einteilen können, sind zufriedener und in weiterer Folge motivierter und produktiver.

    Besseres Employer Branding

    Sie möchten für Ihr Unternehmen neue Top-Talente rekrutieren? Dann sollten Sie darüber nachdenken, Remote Working als Benefit anzubieten! Das steigert nicht nur die Attraktivität Ihres Unternehmens, sondern ist vielleicht das Zünglein an der Waage, warum sich ein Bewerber genau für Ihr Unternehmen entscheidet.

    Tipp
    Durch Remote Working vergrößern Sie auch den geografischen Einzugskreis Ihrer Bewerber!

    Geringere Immobilienkosten

    Weniger On-site-Mitarbeiter bedeutet auch weniger Büro- und Ausstattungskosten. Durch Remote Working teilen sich zwei Ihrer Mitarbeiter einen Arbeitsplatz im Büro. Als Arbeitgeber sparen Sie so bereits Geld.

    Verbesserter Umweltschutz

    Wenn Arbeitnehmerinnen von zu Hause arbeiten, entfällt logischerweise der Weg ins Büro. Und damit ein signifikanter Anteil an Emissionen! Denn ganz gleich, ob Ihre Mitarbeiterinnen mit dem Auto, dem Bus oder dem Zug zur Arbeit kommen: Entfällt der Arbeitsweg, entfällt eine Belastung für die Umwelt!

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    Hybride Arbeitsmodelle: das beste aus beiden Welten

    Sie sehen: Remote Working bietet sowohl Vorteile als auch Nachteile. Einen Ansatz, der sowohl die Stärken als auch die Schwächen berücksichtigt, bieten sogenannte hybride Arbeitsmodelle.

    Hybride Modelle verbinden mobiles mit bürobasiertem Arbeiten. Es wird sowohl im Büro als auch von zu Hause oder sogar aus dem Ausland gearbeitet.

    Tipp
    Lassen Sie Ihren Arbeitnehmern die Wahl, wie, wann und von wo aus sie am besten arbeiten – und Sie werden vielleicht überrascht sein, was entspanntere, zufriedenere Mitarbeiter leisten können!

    Fazit

    Auch wenn Remote Working durch die Corona-Pandemie einen fahlen Beigeschmack hat: Nicht-bürobasiertes Arbeiten bietet viele Chancen für die zukünftige Arbeitswelt! Flexible Ansätze und hybride Arbeitsmodelle werden in Zukunft unter Mitarbeitern mehr und mehr gefragt sein. Nutzen Sie die Chancen des Remote Working, und machen Sie Ihr Unternehmen flexibler und attraktiver!

    Arbeitgebermarke stärken?

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